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Jede Person kann aktiv werden 
Rechtsextremismus vertritt in seiner Ideologie menschenfeindliche und antidemokratische Werte und ist ein Angriff auf die Menschenwürde. Die Verteidigung der Menschenrechte fordert das Engagement von Einzelpersonen und von einer starken Zivilgesellschaft.

Vorfälle im Alltag - soll ich reagieren?

  • Eine Gruppe rechtsextremer Jugendlicher trifft sich am Bahnhof.
  • Der Nachbar hört offensichtlich Musik mit rechtsextremem Gedankengut und schmückt sein Wohnzimmer mit Bildern aus der Nazizeit.
  • Die Tochter einer Bekannten hält sich in rechtsextremen Kreisen auf. 

Rechtsextremismus verunsichert. Oft weiss man nicht, ob und vor allem wie man reagieren soll. Vielleicht hat man Angst, selber in Schwierigkeiten zu geraten, oder man will nicht als "übersensibel" gelten. Wichtig ist jedoch, dass man nicht wegschaut sondern handelt. 

Einzelpersonen können Zivilcourage zeigen, indem sie sich an eine Anlaufstelle wenden, einen Vorfall melden und Beratung einholen. Wenn eine Person das wünscht, können Meldungen anonym erfolgen. Das Engagement kann auch weiter gehen, indem sich zum Beispiel mehrere Personen zusammenschliessen, um öffentlich ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Selber aus der Szene auszusteigen oder jemanden dabei zu begleiten, sind weitere Handlungsmöglichkeiten im Engagement gegen Rechtsextremismus. 

 

Beratung und Intervention

Personen, die mit Rechtsextremismus konfrontiert werden, können sich bei Fachstellen in ihrer Region Unterstützung holen. Das Angebot von Fachstellen ist vielfältig: Es umfasst Beratung, Vermittlung von Fachwissen, das Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten, Triage an zuständige Institutionen sowie die konkrete Unterstützung im Falle einer Krisenintervention als auch Hilfe bei der Vermittlung zwischen Konfliktparteien oder der Konfrontation mit problematischen Gruppierungen.

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.

 

Beobachten und melden

Bei Problemen mit Rechtsextremismus ist jedes Individuum eines Gemeinwesens gefordert, Verantwortung wahr zu nehmen, sei es als VertreterIn einer Institution oder als Teil der Bevölkerung. Beobachtungen von rechtsextremistischen Vorfällen sind umgehend einer Fachstelle oder Behörde zu melden, damit rechtzeitig interveniert werden kann. Institutionen wie die aufsuchende Jugendarbeit, Vereine oder die Fanarbeit im Sport können aufgrund ihrer Nähe zu unterschiedlichen Szenen Brennpunkte frühzeitig erkennen und Unterstützung bei Fachleuten oder Behörden anfordern. Um Zusammenkünfte rechtsextremer Gruppierungen zu verhindern, sind Beobachtungen und Meldungen von VermieterInnen oder Lokalbesitzenden wichtig. Auch in Schulen können Probleme frühzeitig erkannt und mit geeigneten Massnahmen wie beispielsweise einem Verbot von Symbolen angegangen werden. Die Anzeigebereitschaft bei Beobachtungen oder Konfrontationen mit rechtsextremen Gruppierungen ist oft aus Angst vor Rache tief. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, empfiehlt es sich aber dennoch, eine Zusammenarbeit mit der Polizei in Erwägung zu ziehen.

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.

 

Öffentlichkeit herstellen

Um ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen, ist eine gemeinsame Haltung, die von einer breiten Öffentlichkeit mitgetragen wird, wichtig. So wird signalisiert, dass menschenverachtende Ideologien und Gewalt abgelehnt werden und sich die Gesellschaft für Menschenrechte und die Menschenwürde engagiert. Mit öffentlichen Aktionen oder in Leserbriefen wie auch im direkten Gespräch in der Familie, in der Schule oder am Arbeitsplatz können klare Zeichen gesetzt werden, dass Rechtsextremismus nicht akzeptiert wird. Indem Rechtsextremismus als unerwünscht deklariert wird, kann der soziale Druck auf Mitglieder einer Szene erhöht werden. Das Wegfallen öffentlicher Anerkennung und die Konsequenzen von Ausgrenzung oder Verurteilung kann Mitglieder, insbesondere auch MitläuferInnen zur Distanzierung von der Gruppe bewegen.

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.

 

Vernetzung

Um zivilgesellschaftliche Kräfte  zu mobilisieren und die Vernetzung von engagierten Privatpersonen zu fördern, kann die Bildung von Arbeitsgruppen sinnvoll sein. Arbeitsgruppen können mit öffentlichen Aktionen und Aktivitäten die gemeinsame humanistische und demokratische Haltung in den öffentlichen Raum tragen und damit zu einer Enttabuisierung der Problematik beitragen. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde empfiehlt sich in jedem Fall.

In der Schweiz gibt es verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppierungen, die sich Themen wie Rassismus, Antisemitismus oder Gewalt widmen. Rechtsextremismus ist bisher eher selten ein Kernthema von zivilgesellschaftlichen AkteurInnen. Besondere Bedeutung im Bereich Rechtsextremismusbekämpfung kommt antirassistischen Bewegungen zu. In der Schweiz besteht eine Vielzahl an unterschiedlichen Gruppen, die sich meist auf freiwilliger Basis für die Thematisierung der Problematik in der Öffentlichkeit, für die Stärkung von Minderheiten und die Unterstützung von Opfern von Diskriminierung einsetzen. Einige Organisationen konnten sich stärker professionalisieren und widmen sich heute der Sensibilisierung und Prävention.

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.

 

Familienunterstützung

Bei Problemen mit Rechtsextremismus in der Familie bieten einige Fachstellen Unterstützung in sogenannten Familienkonferenzen an und besuchen die Familien zu Hause. Die Anwesenheit einer externen Vermittlungsperson kann das Ansprechen des Streitpunkts Rechtsextremismus und weiteren Konflikten erleichtern. Solche Gespräche haben das Ziel, eine erste Klärung der Situation zu ermöglichen und sind als Ergänzung zu weiterführenden Interventionen zu verstehen. Sie sind oftmals der erste Schritt hin zu einer Weitervermittlung an Fachleute aus dem therapeutischen Bereich.

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.

 

Ausstiegshilfe

Einzelne Stellen bieten Beratung für Ausstiegswillige an. Bei der Beratung von Personen aus rechtsextremen Gruppierungen wird meist unterscheiden, ob diese in ihrer Ideologie bereits gefestigt oder noch nicht fest in der Szene verankert sind. Entsprechend werden unterschiedliche Massnahmen angeboten. Der Sicherheit von Ausstiegswilligen ist grosse Beachtung zu schenken, da mit Drohungen aus dem früheren Umfeld zu rechnen ist.

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.

 

Quellen:

Eser Davolio, Miryam. Gemeinden antworten auf Rechtsextremismus: Perspektiven für eine Kooperation zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft. Haupt, Bern, 2008

Eser Davolio, Miryam / Drilling, Matthias et al. Rechtsextremismus bekämpfen: wirksame Massnahmen und griffige Arbeitsinstrumente für Gemeinden. Fachstelle für Rassismusbekämpfung/ Eidgenössisches Departement des Innern, Bern, 2007

Skenderovic, Damir. Strategien gegen Rechtsextremismus in der Schweiz. Akteure, Massnahmen und Debatten. Fachstelle für Rassismusbekämpfung, Bern, 2010