Home  |  Hintergrund  |  Szene  |  Handlungsansätze  |  Angebote  |  Kontakt
Aktiv werden im Gemeinwesen 
Rechtsextremismus betrifft nicht nur Einzelpersonen, sondern das gesamte Gemeinwesen. Die politischen EntscheidungsträgerInnen von Gemeinden stehen vor der Herausforderung, adäquat zu intervenieren und Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu leisten.

Bei Interventionsmöglichkeiten gegen Rechtsextremismus setzen Fachpersonen meist auf eine Kombination mehrerer Methoden, um eine breite Abstützung und nachhaltige Wirkung zu erzielen.

Vor allem rechtzeitiges Intervenieren ist gefragt. Wegschauen oder zu spätes Handeln kann zu einer Verhärtung der Situation und zu einer Stärkung rechtsextremer Strukturen führen. Alleinige Krisenintervention zeigt meist nur eine zeitlich begrenzte Wirkung. Langfristige und kontinuierliche Massnahmen wie Sensibilisierungs-, Aufklärungs- und Präventionsarbeit sind deshalb notwendig.

Zur Bestimmung von geeigneten Massnahmen sind in jedem Fall eine genaue Abklärung der Situation und eine Analyse des Konflikts nötig. Fachpersonen und Fachstellen bieten Gemeinden dabei Unterstützung. Meist ist der Einbezug verschiedener Akteure wie Behörden, Politik, Schule, Sozial- und Jugendarbeit, Vereine etc. in die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie sinnvoll. Da rechtsextreme Gruppierungen oftmals gemeindeübergreifend agieren und sich die Problematik lokal verschieben kann, ist auch der Einbezug von Nachbargemeinden wertvoll. Die vorgängige Klärung von gemeinsamen Wertvorstellungen und Ansichten darüber, weshalb menschenfeindliche Ideologien und Gewalt abgelehnt werden sollen, liefert eine solide Basis des gemeinsamen Arbeitsprozesses. 

 

Krisenintervention

Bei wahrgenommenen Konfliktherden, beispielsweise bei der Bildung einer (rechtsextremen) gewaltbereiten Szene, ist umgehend zu reagieren, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Je nach Einschätzung der Problemlage sind unterschiedliche Massnahmen gefragt. Grundsätzlich wird Gemeinden geraten, fachliche Beratung beizuziehen. Verschiedene Institutionen und Fachleute bieten vielfältige Unterstützung bei der Planung des weiteren Vorgehens und Kriseninterventionen.

Um Gewalteskalationen zu vermeiden und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, sind in einem ersten Schritt oftmals repressive Massnahmen wie verstärkte Polizeipräsenz, Kontrollen, juristische Abklärungen von Delikten oder die Verhinderungen von Versammlungen oder Kleidervorschriften unumgänglich. Bei Gewaltvorfällen ist die Polizei beizuziehen. Um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen, ist eine Kombination mit präventiven Massnahmen zu empfehlen.

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.

 

Vermittlung / Mediation

Bei latenten problematischen Situationen, beispielsweise wenn Jugendliche oder junge Erwachsene mit fremdenfeindlichen Ideologien sympathisieren und bereits erste Kontakte mit rechtsextremen Gruppierungen gemacht haben, kann im Dialog viel erreicht werden. Fachleute bieten Vermittlungsgespräche, Mediationen und Runde Tische mit allen beteiligten AkteurInnen inklusive den GemeindepolitikerInnen an. Diese  haben zum Ziel, gemeinsam mit den Betroffenen das Geschehen aufzuarbeiten und geeignete Handlungsansätze zu finden. Im Gespräch werden Vorfälle und Übergriffe thematisiert und es wird signalisiert, dass solches Verhalten nicht akzeptiert wird. Die Beteiligten werden über rechtsextreme Ideologien aufgeklärt und für die Problematik sensibilisiert. Wichtig bei Vermittlungs- und Mediationsgesprächen ist, dass Rechtsextremismus nicht als Problem von Einzelpersonen oder Jugendlichen verurteilt wird. Im Rahmen einer Intervention sind eine Polarisierung und Stigmatisierung der Konfliktparteien zu vermeiden. Sinnvoller ist es, die dahinterliegenden Probleme zu erkennen, zu analysieren und anzugehen.

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.

 

Öffentlichkeits- und Sensibilisierungsarbeit

Bei rechtsextremen Vorfällen ist das Medienecho oftmals gross. Diese Medienpräsenz mag auf den ersten Blick für eine Gemeinde als belastend wahrgenommen werden. Denn die Behörden stehen aufgrund kritischer Berichterstattung unter einem verstärkten Handlungsdruck. Die Öffentlichkeits- und Sensibilisierungsarbeit spielt aber bei der Bekämpfung von Rechtsextremismus eine wichtige Rolle und kann sehr unterstützend sein. Denn erst wenn in der Bevölkerung ein Problembewusstsein vorhanden ist und wenn Rechtsextremismus nicht mehr toleriert wird, entsteht die Bereitschaft, sich zu wehren. Die Medien können einen entsprechenden öffentlichen Diskurs und die Sensibilisierung weitgehend prägen. Um eine positiven Effekt von Medienpräsenz zu erzielen, sollte gegenüber den Medien eine transparente Haltung vertreten werden. Die mediale Thematisierung kann dazu beitragen, die Unternehmungen der Gemeinde und die gemeinsame Haltung an die Öffentlichkeit zu tragen und das öffentliche Problembewusstsein zu fördern. Es sollte jedoch in jedem Fall verhindert werden, dass die mediale Berichterstattung rechtsextremen Gruppierungen eine Plattform bietet.

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.

 

Prävention

Eine gelungene Intervention ist immer eine gute Prävention. Sinnvollerweise setzt Präventionsarbeit aber schon im Vorfeld an, bevor rechtsextreme Tendenzen überhaupt erst heranwachsen. Um das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft zu fördern, sind präventive Massnahmen im Gemeinwesen oder in Institutionen im Bildungs- oder Sozialen Bereich wirkungsvoll. Denn ein politisches und gesellschaftliches Umfeld, das eine fremdenfeindliche Stimmung fördert, ist ein geeigneter Nährboden für rechtsextremistische Phänomene. Fachstellen bieten beispielsweise Kurse für Jugendliche und Erwachsene zu den Themen Rassismus, Zivilcourage und Menschenrechtsbildung an. Ziel solcher Kurse ist die Vermittlung demokratischer Werte wie Toleranz und Respekt, Umgang mit Meinungsvielfalt und eine kritische Haltung zu Gewalt. Teilnehmende sollen in Kursen Handlungsmöglichkeiten entwickeln können, um auch in ambivalenten Situationen zivilcouragiert handeln zu können.

Auch öffentliche Veranstaltungen, Weiterbildungen oder Workshops, an welchen Probleme wie Fremdenfeindlichkeit oder Rechtsextremismus thematisiert werden und Handlungsstrategien aufgezeigt werden, können präventive Wirkung haben.

Für erfolgreiche Aufklärungs- und Sensibilisierungsprojekte muss jedoch zuerst das Problembewusstsein geweckt werden. Wenn dies gelingt, können solche Projekte ein klares Zeichen setzen, dass menschenverachtende Ideologien in der Gesellschaft nicht erwünscht sind. Bei Gruppen oder Einzelpersonen mit einer bereits verfestigten rechtsextremen Haltung ist es schwierig, ein solches Problembewusstsein hervorzurufen. Verfehlte Sensibilisierung kann in solchen Fällen vereinzelt auch zu einer Verhärtung und zu einer weiteren Polarisierung führen.

Ohne die menschenfeindliche Ideologie zu verharmlosen, müssen auch die Gründe für rechtsextreme Strömungen unter Jugendlichen oder jungen Erwachsenen erkannt und angesprochen werden. Soziale Probleme wie Jugendarbeitslosigkeit, unreflektierte Feindbilder aufgrund fehlender positiver Erfahrungen oder auch persönliche Identitätskrisen können Nährstoff für rechtsextreme Phänomene sein, denen mit präventiven Massnahmen begegnet werden kann. Die Jugendarbeit und Freizeitgestaltung kann hier mit der Ermöglichung von positiven Erfahrungsräumen einen wichtigen Beitrag leisten. 

Unterstützung bieten verschiedene Anlaufstellen.