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Was heisst Rechtsextremismus? 
"Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen."

(Oliver Decker, Elmar Brähler, Norman Geißler (Hrsg.). Vom Rand zur Mitte – Rechtsextreme Einstellungen und Einflussfaktoren in Deutschland. Berlin 2006.)

 

Ideologie von Ungleichheit und Gewaltakzeptanz

Rechtsextremismus definiert sich durch zwei Tendenzen: a) eine Ideologie von Ungleichheit und b) eine Gewaltakzeptanz. 

Die Ideologie von Ungleichheit zeigt zwei Dimensionen:

1.

Annahme der Ungleichwertigkeit von bestimmten Gruppen und Personen (Abwertung)

Die Annahme der Ungleichwertigkeit bestimmter Gruppen und Personen zeigt sich in nationalistischer/völkischer Selbstübersteigerung, rassistischer Einordnung, eugenischer Unterscheidung von lebenswertem und unwertem Leben, soziobiologischer Behauptung von natürlichen Ideologien und sozialdarwinistischer Betonung des Rechts des Stärkeren, totalitäres Normverständnis bei Abwertung des „Andersseins“ und der Betonung von Homogenität (der Nation oder des Volkes) und kultureller Differenz.

 

 

2.

Ausgrenzung

Die Ausgrenzung äussert sich in sozialer, ökonomischer, kultureller, rechtlicher und politischer Ungleichbehandlung von „fremden“ und „anderen“ Menschen und Lebensformen.

Beispiele: Menschen dunkler Hautfarbe erhalten keinen Eintritt in die Disco. Jugendliche mit ausländisch klingenden Namen erhalten nur schwer eine Lehrstelle.

 

Gewaltakzeptanz bedeutet:

  • Überzeugung unabänderlicher Existenz von Gewalt ("Gewalt gehört immer dazu")
  • Billigung fremd ausgeübter privater bzw. repressiver staatlicher Gewalt
  • eigene Gewaltbereitschaft
  • tatsächliche Gewalttätigkeit

Hinter der Gewaltakzeptanz steht die Annahme, dass Gewalt als ‚normale’ Aktionsform zur Regelung von Konflikten legitim sei. Dies begründet die

  • Ablehnung rationaler Diskurse
  • Betonung des alltäglichen Kampfes ums Dasein
  • Ablehnung demokratischer Regelungsformen von sozialen und politischen Konflikten
  • Betonung autoritärer und militaristischer Umgangsformen und Stile

 Quelle: Wilhelm Heitmeyer u.a. Die Bielefelder Rechtsextremismus-Studie, München 1992, S. 13f.

 

Merkmale von Rechtsextremismus

Rechtsextremismus enthält folgende Merkmale, die nur teilweise oder in unterschiedlicher Kombination und Ausprägung auftreten.

1

Aggressiver Nationalismus und/oder Ethnozentrismus, der sich in Xenophobie und Ausländerfeindlichkeit ausdrückt.

 

 

2

Rassismus, der auf eine biologistische Weltsicht aufbaut und/oder eine ethnisch-kulturell diskriminierende Ausgrenzung anderer Menschen betreibt.

 

 

3

Antisemitismus, der sich in offener oder versteckter Judenfeindlichkeit und in der Verharmlosung oder Leugnung der nationalsozialistischen Verbrechen äussert.

 

 

4

Autoritarismus, der mit der Forderung nach einem starken Staat und einer Führerfigur verbunden ist und sich auch in Organisation und Auftreten von Rechtsextremen wiederfindet.

 

 

5

Antiegalitäres Gesellschaftsverständnis, das die natürlich-organische Gliederung und hierarchische Ordnung hervorhebt.

 

 

6

Betonung der Volksgemeinschaft, die auf einer kulturellen, ethnischen und sozialen Homogenität aufbaut.

 

 

7

Antipluralistisches Politik- und Gesellschaftsverständnis, das den demokratischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen misstraut.

 

 

8

Gewaltakzeptanz, die in sozialen und politischen Konflikten zum Ausdruck kommt.

 

 

9

Demagogischer Stil, der sich in aggressiver Sprache und der Verunglimpfung des Gegners zeigt und der vereinfachte Erklärungen für komplexe Themen befördert sowie einen Hang zu Verschwörungstheorien mit sich bringt.

 

 

10

Absoluter Wahrheitsanspruch, der gesellschaftliche Toleranz verunmöglicht.

Quelle: in Anlehnung an Altermatt, Urs und Kriesi, Hanspeter. Rechtsextremismus in der Schweiz. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1995, S. 16 f.