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Erscheinungsbild 

Diese Rubrik informiert über das allgemeine Erscheinungsbild von Mitgliedern der rechtsextremen Szene und wie sich die Szene grundsätzlich organisiert. 

Erläutert werden:

Die Vielfalt an Symbolen und Zeichen ist gross. Eine Auswahl der wichtigsten Aspekte wird hier dokumentiert.

Die deutsche „Agentur für soziale Perspektiven“ betreibt mit der Homepage www.dasversteckspiel.de ein Projekt, das die aktuellen Bedeutungen von rechtsextremen Symbolen ebenfalls dokumentiert.

 

Codes, Zahlen, Symbole

Rechtsextreme arbeiten oft mit Codes, Zahlenkombinationen und Symbolen, um ihre Ideologie kund zu tun. Dies einerseits, um einer möglichen Strafverfolgung zu entgehen und andererseits, um nicht für alle offensichtlich als Rechtsextreme/-r erkannt zu werden. In Subkulturen dienen Symbole und Codes dazu, eine „eigene Sprache“ zu schaffen, die nur von Angehörigen dieser Subkulturen verstanden werden kann. Solche Zeichen unterliegen einem steten Wandel, auch deshalb, weil in verschiedenen Ländern immer wieder einzelne Symbole verboten werden.

14

Steht für die 14-Words des Us-amerikanischen Neonazis David Lane, eine Art rechtsextremes „Glaubensbekenntnis“, das aus 14 Wörtern besteht: „We must secure the existence of our people and a future for white children“ (dt.: Wir müssen die Existenz unseres Volkes und eine Zukunft für weisse Kinder sichern“).

18

Steht für die Buchstaben A und H des lateinischen Alphabetes (den 1. und den 8. Buchstaben), die Initialen von „Adolf Hitler“.

28

Steht für die Buchstaben B und H des Alphabets, die Abkürzung für Blood & Honour (dt.: Blut und Ehre). Bei Blood & Honour handelt es sich um ein internationales Neonazinetzwerk, das in den 1980er-Jahren in Grossbritannien gegründet wurde.

38

Wird meist als Crew38 ausgeschrieben und ist eine Abkürzung aus dem Umfeld der „Hammerskins“. Die Crew38 ist das Unterstützungsnetzwerk dieser Organisation neonazistischer Skinheads. Denn eine Mitgliedschaft bei den Hammerskins ist nur nach mehrjähriger Aufnahmeprozedur möglich. 38 steht dabei als Abkürzung für „Crossed Hammers“ (dt.: gekreuzte Hämmer) – das Logo der Hammerskins.

848

Dient als Abkürzung für „Heil dir Helvetia“ und wird in Schweizer Neonazikreisen gerne als Grussformel verwendet.

88

Steht für „Heil Hitler“ (H.H.) und ist wohl der bekannteste Zahlencode unter Neonazis.

HffH

Die Abkürzung „Hammerskins Forever – Forever Hammerskins“ (dt.: Hammerskins für immer – für immer Hammerskins) ist das Credo der Hammerskins. Ein Slogan, der sowohl Grussformel als auch Bekenntnis ist.

Rahowa

Das Akronym steht für „Racial Holy War“ (dt.: Heiliger Rassenkrieg). Dabei handelt es sich einerseits um eine Art völkischen Kreuzzug für die Vorherrschaft der weissen „Rasse“, anderseits um eine rechtsextreme Endzeitphantasie.

Hakenkreuz
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Das Hakenkreuz oder „Svastika“ war das Logo sowohl der deutschen NSDAP, als auch des Dritten Reiches. Beim Hakenkreuz mit gegen den Uhrzeigersinn gedrehten Balken, handelt es sich  um ein altes hinduistisches Sonnensymbol, welches – gerade in Indien – auch ausserhalb rechtsextremer Kreise nach wie vor verwendet wird. Das Hakenkreuz mit im Uhrzeigersinn gedrehten Balken ist ein eindeutig neonazistisches Symbol und deshalb in Deutschland auch verboten.

Reichskreuz
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Das Reichskreuz ist kein explizites Symbol des historischen Nationalsozialismus, fand aber auch im Dritten Reich als Orden und Abzeichen – vor allem in der Wehrmacht – Verwendung. Weil in Deutschland heute viele andere rechtsextreme Symbole verboten sind, wird das Reichskreuz oftmals als Ersatz für nationalsozialistische Zeichen verwendet.

SS-Runen
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Die doppelten Sig-Runen waren das Logo der SS im Dritten Reich. Die SS war eine paramilitärische Organisation der NSDAP, die parallel zur Wehrmacht existierte. In ihren Aufgabenbereich fielen unter anderem der Kampf gegen Partisanenverbände, die „Säuberungen“ in den von den Nazis besetzten Gebieten und die „Bewachung und Führung“ der Konzentrationslager.

SS-Totenkopf
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Der SS-Totenkopf war ursprünglich Teil der Uniformkennzeichnung der SS und wurde an der Mütze getragen. Darüber hinaus gab es die speziellen SS-Totenkopfverbände, die für die „Bewachung und Verwaltung“ der Konzentrationslager zuständig waren. Diese trugen den SS-Totenkopf neben der Mütze auch am Kragen.

Schwarze Sonne
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Die schwarze Sonne – manchmal auch als zwölfarmiges Hakenkreuz bezeichnet – war ein esoterisches Symbol, welches von der SS geschaffen und verwendet wurde. Es besteht aus zwölf radial angeordneten Sigrunen.

Wolfsangel
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Die Wolfsangel ist eine abgewandelte Rune, die eine stilisierte Wolfsfalle darstellen soll. Im Gegensatz zu vielen anderen von den Nazis verwendeten Runen ist der Wolfsangel kein Bestandteil des alten skandinavischen Runenalphabetes, sondern eine Neuschöpfung.

Slogans

Neben Symbolen aus dem historischen Nationalsozialismus werden durch heutige Rechtsextreme auch immer Sprüche aus dieser Zeit übernommen und in Botschaften oder auch als Tattoo's verwendet. Die wichtigsten dieser Slogans sind:

"Jedem das Seine" (Inschrift über dem KZ-Buchenwald)

"Arbeit macht Frei" (Inschrift über dem KZ-Auschwitz)

"Meine Ehre heisst Treue" (Wahlspruch der SS)

"Blut und Ehre" (Motto der Hitlerjugend)

"Kraft durch Freude" (Nationalsozialistische Organisation zur Freizeitgestaltung)

 

Mythologische Bezüge

Triskele
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Die Triskele ist ein uraltes mythologisches Symbol, bestehend aus drei Spiralen, das vor allem bei den Kelten von starker Bedeutung war. Die Bedeutung des Symbols ist nicht genau geklärt, meist wird es als Symbol für den Weg des Lebens oder als Symbol für die Sonne interpretiert.

In seiner eckigen Form (auch als dreiarmiges Hakenkreuz bezeichnet) wird es vor allem in rechtsextremen Kreisen verwendet, etwa als Logo von „Blood & Honour“, und ist in Deutschland verboten.

Thorshammer
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Der Thorshammer, ein stilisierter Hammer mit kurzem Stiel und breitem Kopf, stammt aus der nordischen Mythologie. Der Hammer soll die Waffe des Gottes Thors darstellen und wird in verschiedenster Form verwendet, am häufigsten jedoch als Halsschmuck. Er dient als Zeichen für einen heidnisch-germanischen Glauben. In der extremen Rechten soll er darüber hinaus die „Wehrhaftigkeit der nordisch-deutschen Rasse“ symbolisieren.

Runen

Runen sind ursprünglich die Buchstaben des germanischen Alphabetes. Das ursprüngliche Runenalphabet wird oft auch als Futhark (nach den ersten Buchstaben im Alphabet) bezeichnet. Zusätzlich zu ihrer Funktion innerhalb eines Buchstabenalphabetes hatten Runen als einzelnes Symbol noch eine zusätzliche Bedeutung (so steht die S-Rune oder Sowilo einzeln auch als Zeichen für die Sonne).

 

 

 

 

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Runen als solche sind nicht rechtsextrem und werden auch ausserhalb der extremen Rechten verwendet. Im historischen Nationalsozialismus wurden aber Runen sehr häufig als Logo oder Symbole (gerade in der NSDAP, der Wehrmacht und der SS) benutzt, abgewandelt und mit neuen Bedeutungen aufgeladen. Diese Vorliebe für die Verwendung von Runen ist auch in der heutigen extremen Rechten verbreitet.

Wichtige Runen:

Othala (auch Odal-Rune): Die Othala-Rune bildet den Buchstaben O in Futhark und steht darüber hinaus als Symbol für Besitz oder Heimat. Sie diente als Logo für die Hitlerjugend während des Dritten Reiches. Auch wurde sie in Deutschland von der rechtsextremen Jugendorganisation „Wiking-Jugend“ verwendet und in diesem Kontext, zusammen mit der Organisation, verboten.

Tiwaz (auch Tyr-Rune): Die Tiwaz-Rune bildet den Buchstaben T in Futhark und steht darüber hinaus für den nordischen Gott Tyr, den Gott des Kampfes. Sie diente im Dritten Reich etwa als Abzeichen der „Reichsführerschulen“.

Sowilo-Rune (auch Sig-Rune): Die Sowilo-Rune bildet das S in Futhark und steht darüber hinaus als Symbol für die Sonne. Im Dritten Reich wurde sie von der SS verwendet. Sie ist heute in Deutschland verboten.

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Kleidung

Die rechtsextreme Szene nutzt gewisse Kleidungsstile und Kleidermarken, um ihre Gruppe zu kennzeichnen. Teilweise werden bestehende Marken, welche ursprünglich keine rechtsextreme Gesinnung haben, ver- bzw. entwendet. Anderseits werden auch Marken explizit von Mitgliedern der extremen Rechten für andere Rechtsextreme geschaffen. Bei solchen Marken fliesst der Gewinn meist ganz oder teilweise in die rechtsextreme Szene.

Lonsdale

Die Marke Lonsdale ist an sich keine rechtsextreme Marke. Sie war aber längere Zeit bei neonazistischen Skinheads beliebt, da der Schriftzug Lonsdale die Buchstabenfolge „NSDA“ enthält und damit recht nahe an NSDAP herankommt. Lonsdale ist sich jedoch dieser Problematik bewusst und liefert ihre Kleidung bewusst nicht an rechtsextreme Szenegeschäfte. Überdies unterstützt die Firma antirassistische Projekte.

 

 

Crew38

Die Crew38 ist das Umfeld-Netzwerk der Hammerskins und das Label dient der Organisation als Einnahmequelle.

 

 

Consdaple

Die Marke Consdaple wurde von einem deutschen Neonazi und NDP-Aktivisten aus Bayern gegründet. Er wollte der Marke Lonsdale ein szeneeigenes Label entgegenstellen. Sie enthält die Buchstabenfolge „NSDAP“. Diese kann dann offen zur Schau getragen werden, wenn eine Jacke  so über Shirt oder Pullover getragen wird, dass jeweils die beiden Buchstaben am Wortanfang und -ende verdeckt werden. Diese Form der Präsentation ist  in Deutschland verboten.

 

 

Thor Steinar

Die Gründer der Marke Thor-Steinar bewegten sich in rechtsextremen Zusammenhängen. Sie gründeten die Marke 2002. Thor-Steinar spricht mit ihrer Symbolik und ihrem Design Rechtsextreme an. Ihre Aufdrucke enthalten Anspielungen auf die nordische Mythologie, die deutsche Kolonialzeit und den historischen Nationalsozialismus.

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Musik

Die Musik nimmt in der extremen Rechten eine bedeutende Rolle ein. Einerseits als identitätsstiftender Faktor, aber vor allem auch um politische Botschaften zu verbreiten, gegen Minderheiten zu hetzen und junge Menschen anzusprechen. Musik ist eines der wichtigsten Mittel, wie Rechtsextreme versuchen, niederschwellig junge Menschen anzusprechen und zu beeinflussen. Dabei wird vorwiegend rockige Musik gehört (meist als RAC oder Rechtsrock bezeichnet). Aber auch in anderen Genres gibt es Interpreten mit eindeutig rechtsextremen Botschaften.

Gothic/DarkWave

Gothic und DarkWave sind Musikstile, die nicht explizit rechtsextrem sind. Allerdings sind es Musikrichtungen, in welchen Rechtsoffenheit verbreitet ist, vergleichbar mit Metal und Oi!-Musik. Gothic- und DarkWave-Exponenten kritisieren bevorzugt die dekadente, moderne Gesellschaft, häufig verbunden mit einer martialischen, Ästhetisierung (z.B.: Uniformfetisch).

 

 

RAC

Die Abkürzung steht für „Rock Against Communism“ (dt.: Rock gegen Kommunismus). Es ist eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Bezeichnungen für extrem Rechte Musik. Sie grenzt sich ab von linker Punkmusik. RAC ist heute auch ein Überbegriff für verschiedene Formen rechtsextremer Musik.

 

 

Rechtsrock

Die nach wie vor wohl am weitesten verbreitete Form extrem rechter Musik. Ursprünglich aus der Skinheadmusik (besonders dem Oi!) entstanden, meint Rechtsrock heute alle Formen rockiger Musik, wobei in den Texten extrem rechte und völkische Positionen propagiert werden.

 

 

NSBM

Die Abkürzung für „National-Socialist-Black-Metal“ (dt.: Nationalsozialistischer Black-Metal). Gerade innerhalb der heidnischen Metal-Szene gibt es viele Personen die entweder über ein geschlossen rechtsextremes Weltbild verfügen, gewisse extrem rechte Positionen vertreten oder diesen zumindest offen gegenüber stehen. Metal als Musikstil ist an sich nicht explizit politisch gefärbt und unterteilt sich in Dutzende verschiedener Subgenres (z.B.: Black-Metal, Death-Metal, Speed-Metal, etc.). Mit NSBM haben Neonazis ein weiteres Subgenre geschaffen, welches zur Verbreitung extrem rechter Inhalte dient.

 

 

NS-Hatecore

Ähnlich wie NSBM für Metal-Musik, ist NS-Hatecore ein explizit rechtsextremes Subgenre, diesmal für Musik aus dem Hardcore-Bereich. Hardcore ist ein Stil, der aus dem Punk entstanden ist, sich von diesem jedoch in vielen Punkten unterscheidet.

 

 

NS-Hip-Hop / NS-Rap

Hip-Hop als Musikstil geniesst in der extremen Rechten einen schlechten Ruf und wird meist herablassend als „schwarze-Musik“ verunglimpft. Nichtsdestotrotz gewinnt Hip-Hop auch bei Rechtsextremen an Bedeutung. Da Hip-Hop bei Jugendlichen pulär ist, versuchen sie mit Hip-Hop, rechtsextreme Inhalte zu vermitteln, um gezielt junge Menschen ansprechen zu können. In den deutschsprachigen Ländern gibt es bis anhin kaum Interpreten, die Hip-Hop-Musik machen und gleichzeitig Teil der extremen Rechten sind.

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Strukturen

Rechtsextreme Gruppierungen gibt es in verschiedenen Formen. Allen gemein ist, dass sie versuchen, die gesellschaftlichen und politischen Ansichten der extremen Rechten zu bewahren, zu pflegen und zu verbreiten. Dabei sind diese Organisationen nicht auf Parteien, beschränkt, sondern können auch andere Formen des sozialen oder politischen Zusammenlebens umfassen.

Internationale Netzwerke

Internationale Netzwerke sind lose organisierte Gruppierungen, die sich als Teil einer internationalen Bewegung sehen. Innerhalb des neonazistischen Flügels der extremen Rechten ist nicht die nationale Identität und damit verbunden die Staatsbürgerschaft das zentrale, verbindende Element, sondern die Zugehörigkeit zur „weissen Rasse“. Meist bestehen solche Netzwerke aus verschiedenen regionalen und/oder nationalen Sektionen. Die Strömungen innerhalb der extremen Rechten, welche sich am stärksten solcherart organisieren, sind rechtsextreme Skinheads und Holocaustleugnende.

Bei den Skinhead-Gruppierungen sind auf internationaler Ebene seit Ende der 1980er Jahre zwei Organisationen tonangebend. Einerseits das aus England stammende „Blood & Honour – Netzwerk“ und andererseits die ursprünglich Us-amerikanische Gruppierung der „Hammerskins“. Während es sich bei „Blood & Honour“ um ein vergleichsweise lose organisiertes Netzwerk handelt, sind die „Hammerskins“ hierarchisch organisiert und international vernetzt, wobei ihre Organisationsstruktur fast vollständig denjenigen der grossen Rocker-Gangs (wie Hells Angels oder Bandidos) entspricht.

Auch die Szene der Holocaustleugnenden arbeitet in internationalen Netzwerken. In der Schweiz ist zur Zeit die 2010 gegründete „Europäische Aktion“ aktiv. Die Organisation wurde vom Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub mitgegründet. Dieser spielte längere Zeit eine führende Rolle in der Europäischen Aktion.

 

 

Kameradschaften

Das Konzept der „Freien Kameradschaften“ wurde in den 1990er Jahren in Deutschland entwickelt. „Freien Kameradschaften“ sind meist kleine, lokale Gruppierungen mit informellen Strukturen. Entwickelt wurde das Konzept einerseits, um offen neonazistische Rechtsextreme ausserhalb rechtsextremer Parteien politisch organisieren zu können, andererseits als Schutz gegen staatliche Repression.

Die „Freien Kameradschaften“ sind in Deutschland die wichtigsten Organisationsformen der Rechtsextremen ausserhalb der NPD. Wegen ihrer tendenziell losen Organisationsstruktur sind Kameradschaften auch in der Schweiz relativ beliebt, aber meist eher kurzlebig. Eine der wenigen Schweizer Kameradschaften, welche es geschafft hat, mehr als die üblichen 2-3 Jahre zu überstehen, ist die Innerschweizer „Kameradschaft Morgenstern“, gegründet 1993.

 

 

Parteien

Parteien sind die bekannteste politische Organisationsform, auch in der extremen Rechten. Es gab und gibt auch in der Schweiz mehrere Parteien, welche der extremen Rechten zugeordnet werden können. Diese Parteien unterscheiden sich inhaltlich voneinander. Dies vor allem deshalb, weil auch die extreme Rechte keine einheitliche Strömung ist. Gerade bezüglich der Einstellung zum historischen Nationalsozialismus und der offenen Verherrlichung völkischer und rassistischer Ansichten entstehen dabei immer wieder Konflikte.

Innerhalb des neonazistischen Flügels der extremen Rechten wird die Demokratie als politisches System grundsätzlich abgelehnt. Deshalb stehen solche Parteien immer vor dem Problem, dass sie einerseits als seriöse politische Kraft auftreten müssen, um politisch wahrgenommen und vor allem gewählt zu werden. Andererseits sind sie jedoch gezwungen, eine radikal rechtsextreme und neonazistische Haltung zu vertreten, um den Anschluss an die ausserparlamentarische extreme Rechte nicht zu verlieren, auf die sie vielfach als Stammwählende und freiwillige HelferInnen angewiesen sind.

Gerade in der Schweiz sind rechtsextreme Parteien aktuell nicht von grosser politischer Bedeutung. Dies hauptsächlich deshalb, weil es schwer ist, rechts der Schweizerischen Volkspartei in einer Form zu politisieren, welche genügend Menschen anspricht, dass es sich etwa in Wahlresultaten bemerkbar macht.

 

 

Kulturelle Vereine

Es gibt in der extremen Rechten auch immer Vereine, welche sich der Bewahrung und Weiterentwicklung verschiedener Teile einer rassistischen und menschenfeindlichen Ideologie widmen. Die Themen hierbei reichen von brauner Esoterik und völkischem Heidentum über pseudowissenschaftliche Rassenforschungen, hin zu Holocaustleugnung. Es gibt quasi-religiöse Zirkel, rassistisch-intellektuelle Think-Tanks, extrem rechte Buchversände und rassistische „Kulturvereine“. Ein bekanntes Beispiel in der Schweiz, welches sich mit verschiedenen dieser Themen befasst, ist die Avalon-Gemeinschaft.

 

 

Rechtsextreme und Waffen

Unter anderem die hohe Bedeutung von Wehrhaftigkeit und Männlichkeitsvorstellungen führen innerhalb der extremen Rechten zu einer starken Affinität zu Schusswaffen. In Verbindung mit Endzeitfantasien vom „Heiligen Rasssenkrieg“ sind deshalb paramilitärische Ausbildungen und Trainings bei Rechtsextremen sehr gefragt. Auch wenn es in der Schweiz kaum organisierte, rechtsextreme Gruppierungen gibt, die sich schwerpunktmässig dieser Aufgabe widmen, ist das Land als Ziel für paramilitärische Trainings und Schiesstrainings bei ausländischen Rechtsextremen nach wie vor beliebt. Bei Hausdurchsuchungen im rechtsextremen Milieu wird zudem häufig ein beachtliches Waffenarsenal sichergestellt.

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Subkulturen

Subkulturen sind gesellschaftliche Gruppen, die häufig von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gebildet werden und die sich durch Gemeinsamkeiten (wie Lebensstil, Kleidung, Musik, etc.) definieren und sich damit von der restlichen Gesellschaft abgrenzen. In rechtsextremen Subkulturen ist die politische Überzeugung ein wesentliches Merkmal.

Angehörige der extremen Rechten sind auch in anderen Subkulturen präsent, die traditionelle Rollenbilder, antimoderne Ansichten, eine erhöhte Gewaltbereitschaft oder ein ausgeprägter (Lokal-)patriotismus pflegen. Wenn eine solche „Szene“ versucht, sich als unpolitisch darzustellen (etwa indem politische Auseinandersetzungen aktiv tabuisiert werden), steigert sie die Attraktivität für Rechtsextreme und wird so zu einer rechtsoffenen Subkultur.

Autonome Nationalisten

Wie das organisatorische Konzept der „Freien Kameradschaften“ ist auch das Phänomen der „autonomen Nationalisten“ in Deutschland im Verlaufe der 1990er Jahre entstanden. Einer Zeit, in der die meisten jungen Neonazis Teil der Skinhead Subkultur waren. Hauptziel des autonomen Nationalismus ist es, die extreme Rechte auch für Menschen attraktiv zu machen, welche sich eben nicht als Skinheads verstehen, respektive von dieser Subkultur nicht angesprochen werden.

Autonome Nationalisten übernahmen Aktionsformen und Konzepte linker Bewegungen, sei es den Kleidungsstil (Kapuzenpullover und Turnschuhe statt Bomberjacke und Springerstiefel) oder die Propagandamittel (wie Aufkleber und Graffitis) bis hin zu Aktionsformen wie Hausbesetzungen. Gleichzeitig sind die autonomen Nationalisten jene Subkultur, welche am gezieltesten gegen politische Gegner aus dem linken Spektrum vorgeht. Der Anti-Antifa gehören vorwiegend Personen an, die sich im Umfeld der autonomen Nationalisten bewegen.

 

 

Rechte Skinheads

Die Skinhead-Bewegung ist eine Subkultur, die Ende der 1960er Jahre in Grossbritannien entstand und hauptsächlich junge Männer aus der Arbeiterschicht anzog. Gemeinsamkeiten waren Kleidung (wie schwere Stiefel und Jeans), Auftreten (kurze Haare und Tattoo's) und Lebensstil (wie Vorliebe für Bier und Fussball). Sie hörten bevorzugt die Musik karibischer Einwanderer, insbesondere Ska. Abgesehen vom Stolz auf die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse war die Subkultur nicht politisch, wenn auch gewaltbereit. Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre spitzten sich Konflikte innerhalb der politisch heterogenen Skinheadszene zu. Dies auch weil Anfang der 1980er Jahre rechtsextreme Gruppen wie die „British National Party (BNP)“ begannen, unter den Skinheads Mitglieder zu rekrutieren, unter anderem Ian Stuart Donaldson, den Sänger der damaligen Punk-Band „Skrewdriver“. Dieser wurde in der Folge zu einem der wichtigsten Akteure einer explizit neonazistischen Skinhead-Kultur. Er verknüpfte den Lifestyle der Skinheads mit rechtsextremer Politik und gründete das Netzwerk „Blood & Honour“.

Auch heute gibt es neben rechtsextremen noch verschiedene andere Strömungen innerhalb dieser Subkultur: traditionelle oder „Trojan“ Skinheads, Oi!-Skins, die sich beide als apolitisch verstehen. Aber auch explizit antirassistische Skinheads wie SHARP (Skinheads against racial prejudices – dt.. Skinheads gegegen rassistische Vorurteile) oder dem linken Spektrum zuzuordnende, wie Redskins oder RASH (Red and anarchist skinheads – dt. rote und anarchistische Skinheads) gehören dazu. Bei Oi!-Skins ist allerdings eine gewisse Rechtsoffenheit anzutreffen, gleichzeitig wird seitens neonazistischer Skinheads die Grenze zum Oi! absichtlich aufgeweicht (so gab und gibt es Rechtsrock-Bands mit Namen wie „Kraft durch Froide“ oder „Noie Werte“).

 

 

Identitäre

Die „Identitären“ sind eine neue Strömung innerhalb der extremen Rechten, die in Frankreich entstand und in der Schweiz bisher vorwiegend in der Westschweiz auftrat. Im Gegensatz zu den meisten anderen Formen der extremen Rechten in der Schweiz, welche sich hauptsächlich auf Deutschland beziehen, stammt diese Strömung in erster Linie aus Frankreich. Dort tauchten erste Organisationen unter diesem Schlagwort in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende auf. Ab etwa 2005 fielen sie auch öffentlich auf. Die identitäre Bewegung ist eine relativ junge und heterogene Strömung innerhalb der extremen Rechten, der gerade in Frankreich verschiedene nationale und regionale Gruppierungen zugeordnet werden können. Sie alle zeichnen sich jedoch durch gewisse Gemeinsamkeiten aus. Während viele „traditionelle“ Strömungen der extremen Rechten sich nie richtig vom historischen Nationalsozialismus trennen konnten (sei es durch die Relativierung der Shoa oder durch die offene Verherrlichung des Dritten Reiches), versucht sich die Identitäre Bewegung explizit als nicht neonazistische Strömung zu positionieren. Gesprochen wird auch nicht von „Rasse“ oder völkischer Ideologie, sondern von europäischer Kultur und Identität, die es zu bewahren gilt (auch wenn im Endeffekt damit meist dasselbe gemeint ist). Als Hauptfeind für Europa gilt dabei speziell der Islam und die Muslime und es wird der „modernen Multikultigesellschaft“ ein ethnopluralistisches Konzept gegenübergestellt.

Identitäre Gruppierungen zeichnen sich durch eine starke Präsenz in den neuen Medien aus, speziell im Internet. Dadurch und auch durch die Verwendung und Neuinterpretation von Motiven aus der modernen Popkultur versuchen sie sich als neue und moderne Ideologie zu behaupten. Gerade bei den radikaleren Gruppierungen innerhalb dieser Strömung (wie der italienischen „Casa Pound“ oder den französischen „Jeunesse Nationaliste“) ist jedoch eine deutliche Nähe zum italienischen Faschismus offensichtlich.

 

 

Blood & Honour

Ian Stuart Donaldson (ISD), Sänger der einstigen Punk-Band Skrewdriver, gründete – zusammen mit einem Freund – die Organisation "Bloud &  Honour" als „unabhängige Stimme des Rocks gegen Kommunismus“. Die politische Organisation ohne Mitgliederausweise gab eine Zeitschrift heraus, produzierte RechtsRock-Tonträger, organisierte Konzerte und vertrieb Erinnerungsstücke. Blood & Honour hatte bald „Divisionen“ in Schweden, den Vereinigten Staaten von Amerika und den übrigen Ländern Europas. Im Blood & Honour-Umfeld entstand die terroristische Organisation „Combat 18“, die Anschläge unter anderem in Grossbritannien und Schweden verübte. Heute hat das internationale Neonazi-Netzwerk auch Divisionen in Australien und einigen Ländern Südamerikas.

Eine Schweizer Sektion von Blood & Honour entstand erst 1997/1998, zuerst in der Deutschschweiz, dann auch in der Romandie, dort wechselten die Westschweizer Hammerskinheads zu Blood & Honour. Ian Stuart starb Ende September 1993 bei einem Verkehrsunfall. Seit vielen Jahren veranstalten Blood & Honour-Sektionen jeweils Mitte/Ende September „Ian-Stuart-Gedenkkonzerte“ (ISD-Memorials), auch in der Schweiz (so in Brig/Glis 2005 und 2013 in Ebnat-Kappel).

 

 

Crew 38 / Hammerskins

Die Hammerskins wurden im Jahr 1987 in der Umgebung der amerikanischen Stadt Dallas (Texas) als rechtsextreme Skinhead-Organisation gegründet. Sie vertreten die Ideologie des „white Area for white People“ (dt.: weisse Gebiete für weisse Menschen). Sie sind Teil der „White Pride-Bewegung“ (dt. weisser Stolz) und verstehen sich seit Beginn als Elite unter den rechtsextremen Skinheads. Die Organisation ist in verschiedene Sektionen (Chapter) aufgeteilt. Wer Mitglied bei den Hammerskins werden will, muss einen mehrstufigen Prozess durchlaufen, der von „BewerberIn“ (Hangaround) über „AnwärterIn“ (Prospect), hin zu „vollwertigem Mitglied“ (Brother / Sister) geht und mehrere Jahre dauert. Das Logo der Hammerskins besteht aus zwei gekreuzten Hämmern und geht auf den Film „The Wall“ zurück. Von Texas aus verbreiteten sich die Hammerskins erst auf dem nordamerikanischen Kontinent, bevor Innerschweizer Skinheads 1990 in der Schweiz das erste europäische Chapter gründeten. Aktuell gibt es in fast allen westlichen Ländern Ableger der Hammerskins. Weil die Hammerskins eine sehr hierarchisch organisierte Gruppierung sind, die nicht allen Interessierten offen steht und deren Abzeichen nur von Mitgliedern getragen werden dürfen, wurde die Crew 38 gegründet. Die Crew 38 ist das Unterstützer-Netzwerk der Hammerskins, welches allen Interessierten offen steht.

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